Der
Bezirk Ries
Der X. Stadtbezirk bildete von der Entstehung selbständiger Gemeinden bis zu
seiner Eingemeindung nach Graz, also von 1850 bis 1938, einen Teil der Gemeinde
Kainbach. Auch das übrige Kainbach und sogar Teile der Gemeinde Purgstall waren
für Graz bestimmt, konnten sich aber der Stadt entziehen. Der Bezirk sollte, als
man 1946 um alte Grenzen und Namen bemüht war, Kainbach heißen. Doch die
Gemeinde Kainbach protestierte. Deswegen wurde der Name des Höhenrücken Ries
zwischen den beiden wichtigen Tälern des Bezirks (Ragnitz und Stiftingtal) als
Bezirksname gewählt. Dem Bezirk mangelt es an einem historisch gewachsenen
Zentrum. Der Riesplatz bei der Endstation der Straßenbahn soll sich als einen
solchen Bezirksmittelpunkt entwickeln. Das Mauthaus am Platz erinnert an die bis
1938 bestehende Abgabengrenze.
Stiftingtal und Ragnitztal, aber noch mehr der Höhenzug der Ries, waren
traditionelle Standorte einer Reihe von Gaststätten. Vorbei sind die Zeiten der
Fuchswirte an der Riesstraße, die durch viele Jahrzehnte eine Herausforderung
für Fahrzeuge aller Art war. Von 1904 bis 1948 waren die populären Riesrennen
mit ihren bis zu 70.000 Zuschauern ein Publikumsmagnet. Das Teilstück der
Südautobahn Graz-Gleisdorf (1969) entlastete die gefährliche Riesstrecke. Der
zunehmende Verkehr hat dies aber fast wieder ausgeglichen. Die strategisch
wichtige Riesstraße war im II. Weltkrieg Ziel von Bomben. Über die Riesstraße
marschierte am 9. Mai 1945 die Rote Armee nach Graz ein.
Auch im Bezirk Ries gab es bis in das späte 19. Jh. etwas Rebkulturen. Schon vor
1900 wurden die ersten großen Villen am östlichen Stadtrand errichtet. Von den
promineten Bewohnern jener Zeit sei der Dichter Robert Hamerling erwähnt, der in
seinem Landhaus im Stiftingtal 1889 starb. Noch dominierte aber in jener Zeit
östlich von Graz die Landwirtschaft und Gaststätten. 1900 lebten im Ortsteil
Stifting rund 300 Personen. Damals (1904) entstand dort mit der Manowarda-Villa
ein Kunstwerk des Sezessionismus. Die architektonische Besonderheit wurde durch
eine sozialpolitische ersetzt. Die Villa wurde zur Otto-Möbes-Schule der
Arbeiterkammer umgestaltet. Große Siedlungen veränderten den Bezirk. Die größte
Wohnanlage des Ragnitztales, der Berliner Ring (Anfang der 70er Jahre), liegt
allerdings am linken Ufer des Baches und damit im Bezirk Waltendorf.
Wenn auch, insbesondere nach einer Korrektur der Bezirksgrenze im Jahre 1963,
das Landeskrankenhaus im Bezirk Geidorf liegt, ein Teil des Bezirks Ries ist
durch das Großkrankenhaus geprägt. Insbesondere durch den neuen Parkplatz, durch
Personalhäuser und ein Verwaltungsgebäude.
Verfasser der Bezirkschronik Prof.Dr.Karel Kubinzky
Bezirkskarte